Medizin

 

  • Arzt z.B. Allgemeinmedizin, Neurologie, Orthopädie, Hautarzt, Kinderarzt
  • Wichtig! Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen auch Gebärdensprachdolmetscherkosten nicht nur bei hörgeschädigten Patienten, sondern auch bei hörgeschädigten Patienten mit hörenden Kindern!
  • Krankenhaus Untersuchungen, Behadlungen
  • Therapien z.B. Physiotherapie, Krankengymnastik, ambulante Reha, Diabetisschulung, Ernährungsberatung, Geburtsvorbereitung, Rückbildungsgymnastik
  • Gespräche bei Ihrer Krankenkasse (Fragen, Antragstellung, Nachfragen)
  • Kontroll - und Vorsorgeuntersuchungen

KOSTEN: Die Gebärdensprachdolmetscherkosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

 

Was wäre eine Diagnose ohne Kommunikation?

 

Informationen für Patienten

Taube und schwerhörige Patienten

Wir dolmetschen schon sehr lange für taube und schwerhörige Patienten im medizinischen Bereich. 

Auch taube Eltern mit hörenden Kindern können im medizinischen Bereich Gebärdensprachdolmetscher bekommen. Die Dolmetscherkosten werden ebenfalls von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Bei allen medizinischen Behandlungen, die von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden, werden auch  die Gebärdensprachdolmetscherkosten komplett von der Krankenkasse übernommen.

Die gesetzlichen Krankenkassen verfügen über eine Liste von geprüften und anerkannten Gebärdensprachdolmetschern.

Im Berufsverband der GebärdensprachdolmetscherInnen NRW haben wir GebärdensprachdolmetscherInnen uns verpflichtet regelmäßig im medizinischen Bereich Fortbildungen zu machen.

 


Dolmetscher beim Arzt - wofür?

Oft haben wir erlebt, dass Hörgeschädigte denken, im Krankenhaus oder nur bei ganz dringenden Gesprächen ist ein Dolmetscher wichtig. Wenn bei diesem Gespräch zwischen Dolmetscher und Arzt gesprochen wird, passiert oft, dass der taube oder schwerhörige Patient sagt, "Das wusste ich nicht, das hat mir niemand gesagt."

Leider stimmt es meistens nicht. Der hörgeschädigte Patient und der behandelnde Arzt sind davon ausgegangen, dass die Kommunikation gut funktionierte. Meistens denken Ärzte, der hörgeschädgte Patient kann immer von den Lippen ablesen und vielleicht hat der Patient es selbst gedacht. Es folgt dann die Aussage: "Ja, ich habe ein bisschen verstanden. Das ist genug". Oder es war dem Patienten unangenehm dem Arzt zu sagen "Das habe ich nicht verstanden, besser nicht noch einmal fragen, sonst denkt der Arzt, ich bin dumm".

Nein! Auch viele Hörende verstehen den Arzt nicht. Oft benutzen Ärzte medizinische Fachwörter, die ein hörender Patient auch nicht versteht. Darum Mut zum Fragen.

 

Was ist genau der medizinische Bereich?

Medizinischer Bereich meint alle Dolmetschereinsätze die mit der körperlichen und psychischen Gesundheit eines Patienten zu tun haben.

Dies gilt nicht nur Arztgesprächen und Untersuchungen, sondern es gibt viel mehr Einsätze im medizinischen Bereich, bei denen wichtige Kommunikation stattfindet.

Ein Arzt findet nicht die Ursache für Ihre Beschwerden oder möchte andere mögliche Diagnosen ausschließen. So überweist er Sie zum CT, MRT oder Röntgen. Meistens wird im Anschluss nach dieser Untersuchung mit dem Patienten gesprochen, ob die "Vermutung" des Arztes stimmt oder ein ganz anderes Ergebnis gefunden wurde. Dann muss der Patient noch einmal zu seinem Arzt und es wird die weitere Behandung besprochen.

Oder Sie haben eine Operation gehabt und müssen zur Krankengymnastik / Physiotherapie. Hier wird sehr viel gesprochen. Der Therapeut fragt den Patienten wo es genau weh tut und welche Übungen der Patient machen soll. Dabei ist es oft wichtig genau zu verstehen wie die Übungen gemacht werden müssen.

Ein anderes Beispiel: Vor einer Operation. Der Narkosearzt muss den Patienten noch einmal befragen über die eingenommen Medikamente oder welche Gefahr eine Narkose haben kann. Es gibt einige sehr wichtige Medikamente für den Patienten, die aber vor einer Narkose/Behandlung vielleicht nicht eingenommen werden dürfen.


Vertrauen ?!

  • Vertrauen ist ganz wichtig! Sei es gegenüber dem Arzt oder dem Dolmetscher.
  • Auch in diesem Bereich haben wir eine Schweigepflicht.

 

Wie bestelle ich einen Dolmetscher?

  • Sie können immer einen Dolmetscher per Fax / Handy / SMS oder E-Mail anfragen.
  • Oder schauen Sie auf der Seite des Berufsverband der Gebärdensprachdolmetscher NRW.
  • Dort können Sie sehen welcher Dolmetscher in Ihrer Nähe ist oder in der Nachbarstadt, falls ein Dolmetscher in Ihrer Stadt nicht kann.

 

Welche Informationen brauchen wir und warum?

  • Wir brauchen den Namen, Telefonnummer und die Adresse Ihres Arztes / Krankenhaus und den Termin mit Uhrzeit.
  • Von Ihnen müssen wir Name, Adresse, Geburtsdatum, Krankenkasse und die Versichertennummer wissen. Diese Informationen brauchen wir damit wir direkt mit den Krankenkassen abrechnen können.Sie müssen sich um nichts Weiteres kümmern. 
  • Auch wichtig ist Handynummer, Fax oder E-Mailadresse. Wenn einmal Terminverschiebungen sind, kann man schnell den Kontakt aufnehmen.

 

Sie wollen mehr wissen ?

  • Sie möchten mehr wissen oder möchten gerne mehr Informationen? Kein Problem !
  • Schreiben Sie uns eine E-Mail, Fax, SMS oder schicken Sie ein Gebärdenvideo.
  • Wir können auch nach Vereinbarung per Skype, Facetime oder einer anderen Videokonferenzplatform miteinander gebärden.
  • Oder Sie möchten für Ihren Verein oder Stammtisch andere taube / schwerhörige Personen über den medizinischen Bereich informieren oder diskutieren ? Wir kommen gerne und planen zusammen worüber Sie mehr Informationen haben möchten.
  • Oder wir veranstalten eine Frage - Antwort Runde.

 

Informationen für Ärzte und medizinisches Personal

Auf Grund unseren langjährigen Erfahrungen im medizinischen Bereichen haben wir immer wieder festgestellt, dass es zu erheblichen Missverständnissen zwischen Ärzten, medizinischen Personal und dem hörgeschädigten Patienten kommt. 

Meistens beginnt es mit der Unwissenheit des medizinischen Personals, dass Hörgeschädigte von den Lippen lesen könnten.

Unterscheiden Sie bitte bei dem Thema Lippen-lesen, auch wenn Sie eventuell meinen Patienten erlebt haben bei welchen es anscheinend reibungslos ging, dass es unterschiedliche Hörschädigungen gibt.

Man muss klar unterscheiden zwischen Gehörlosigkeit und Schwerhörigkeit. Auch bei Schwerhörigen gibt es unterschiedliche Formen.

Die hauptsächliche Auswirkung auf das Verständnis hat der Zeitpunkt der Hörschädigung. Ist diese VOR dem Spracherwerb eingetreten, spricht man von prelingualer Ertaubung.

Diejenigen, die bereits Sprache hören und erfahren haben, egal wie gut oder schlecht, sind postlingual Hörgeschädigte. 

Dies ist sehr wichtig, weil das Auswirkungen auf das Sprachverständnis hat.

Dies wirkt sich nicht nur in der schriftsprachlichen Kompetenz sondern auch beim "Ablesen" aus. Um so geringer der erfahrene und gelernte Wortschatz, um so schwerer ist es für den Betroffenen schriftsprachlich zu kommunizieren. Das Gleiche gilt auch für das Absehen.

Unsere Erfahrungen zeigen, dass der Bedeutung einer abgesicherten Kommunikation mittels eines professionellen Gebärdensprachdolmetschers oftmals keine ausreichende Bedeutung beigemessen wird.

Umgekehrt haben wir die Erfahrung gemacht, dass wenn Mediziner oder medizinisches Personal und der hörgeschädigte Patient einmal die Erfahrung mit einem Gebärdensprachdolmetscher gemacht haben, sie meistens nicht mehr darauf verzichten wollen. Die Behandlung und Kommunikation verläuft dann fließender und beide Kommunikationspartner fühlen sich sicherer im Kommunikationsaustausch. Wir dolmetschen simultan in beide Sprachrichtungen. Daher kommt es zu keiner Verzögerung in der Kommunikation.

Wir ermöglichen dem medizinischen Personal und den hörgeschädigten Patienten eine abgesicherte und vertrauensvolle Kommunikation, die nahezu zeitgleich ist.

Diagnosen und weitere Behandlungen wurden nicht verstanden, wie z.B. Einweisungen zu einer ambulanten oder stationären Behandlung, ebenso Wechselwirkungen von Medikamenten oder  falsche Medikamenteneinnahme. Das kann zur Folge haben, dass der hörgeschädigte Patient aus Unsicherheit gar keine Medikamente einnimmt.

Bitte kommen Sie daher Ihrer Pflicht nach, Ihre Patienten umfassend über seine Diagnose, weitere Behandlungs- und und Therapiemöglichkeiten aufzuklären! Ein gebärdenkundiger Verwandter oder Freund - auch wenn es gut gemeint ist - kann keinen professionellen Gebärdensprachdolmetscher ersetzen.

Überall wo im medizinischen Bereich kommuniziert wird ist ein Dolmetscher nötig. Nicht nur beim Arzt, sonder auch bei diversen anderen Therapien (Physiotherapie, Rehasport, Schwangerschaftskurs, Diabetikerschulung, Chemotherapien, Gesundheitskurs, etc. ).

Überlassen Sie es Ihrem hörgeschädigten Patienten, wo er einen Dolmetscher haben möchte. Es gibt keine unwichtige Kommunikation!